Monatliche Archive: Mai 2014


The artist formerly known as … 17 Tipps für die Namensfindung 3

Namensfindung„Wie soll ich dich denn jetzt nennen?“

Einen neuen Namen zu finden, ist ganz einfach. Es gibt ja ganz viele Seiten mit Vornamen, da kannst du dir einfach einen aussuchen. Hier findest du zum Beispiel gleich 21.584 Jungen- und 24.237 Mädchennamen. Hehe. :-)

Wenn du also noch gar keinen Plan hast oder dir unsicher bist, welchen Namen du in Zukunft verwenden willst, musst du die Auswahl einschränken oder das Problem ganz anders angehen.

Mein Rat ist: Nicht alle Kriterien werden für dich wichtig sen, also schau mal, welche zu dir passen und welche nicht so sehr. Und dann mach dir Notizen zu den einzelnen Punkten, so hältst du alle Ideen fest und kannst sie später auswerten.

Warum in die Ferne schweifen?

1. Dein allererster Einfall

Die intuitive Variante. Was ist dir eingefallen, als du das erste Mal darüber nachgedacht hast? Oder: Welcher Name fällt dir jetzt als allererstes ein?

2. Früher

Hattest du früher schon einen anderen Namen für dich?

3. Fantasie

Wenn du dir Geschichten ausgedacht hast, welche Namen hast du dann verwendet? Hast du ein Alter Ego in Tagträumen?

4. Dein Umfeld

Mit wem kannst du darüber reden? Befrag deine Freunde und deine Familie, welchen Namen sie für dich hätten. „Welcher Name würde zu mir passen?“ – Manchmal haben sie verblüffende Ideen. (Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele neue Bekannte mich unabhängig voneinander Steffen genannt haben.)

Vielleicht magst du auch deine Eltern bzw. Sorgeberechtigten Vorschläge machen lassen. Oder leg ihnen deine Engere-Wahl-Liste vor und lass sie einen aussuchen. Das will natürlich nicht jede*r, aber mancher/manchem ist es wichtig, die Eltern miteinzubeziehen, weil sie ja normalerweise den Vornamen aussuchen.

5. Spitznamen

Wenn du einen Lieblingsspitznamen hast: Gibt es einen Namen, der dazu passen würde? Der Vorteil: der Name ist dir schon mehr vertraut und du musst dich nicht erst an einen neuen gewöhnen.

6. Dein alter Name in neu

Eine ganz einfache Abwandlung, falls das mit deinem alten Namen möglich ist: Martin –> Martina, Michelle –> Michael, Jan –> Jana. Auch hier hast du den Vorteil, dass der Name dir vertraut ist. Der Nachteil: Wenn Menschen wissen, dass du trans* bist, werden sie vielleicht genau diesen Rückschluss ziehen und so was sagen wie: „Stefan, hm? Dann hießt du bestimmt mal Stefanie?“ Wenn du deinen alten Namen geheim halten willst, ist das also keine so gute Variante.

7. Familienbande

Meine Geschwister haben die gleichen Initialen. Mir war’s wichtig, das beizubehalten. Gibt es in deiner Familie ähnliche Traditionen? Wenn ja: willst du sie weiterführen oder mit ihnen brechen?

Gibt es in deiner Verwandschaft oder unter deinen Vorfahren jemanden, nach dem bzw. der du dich benennen möchtest? Vielleicht als Zweitnamen?

8. Abgucken

Alter Trick: Schau dir einen Film an und bleib bis ganz zum Ende sitzen. Scann den Abspann. Vielleicht entdeckst du ganz neue Namen, die du noch nicht kanntest, oder dir fällt ein gewöhnlicher Name immer wieder auf. Auch gut: Ab in die Buchhandlung, in Namensbüchern schmökern. Dabei helfen auch Tipps 9-11.

Suchkriterien

9. Historisch korrekt

Naja, der Titel ist natürlich nicht ganz ernst gemeint.

Du könntest deinen Namen passend zu deinem Geburtsjahr wählen. Hier findest du die beliebtesten Vornamen nach Jahren und nach Jahrzehnten. Das ist besonders praktisch, wenn du später möglichst unauffällig leben willst, denn als 50jährige Chantal bzw. als 50jähriger Tyler (bei deutschen Vorfahren) wirst du eher mal nach der Herkunft deines Vornamens gefragt.

Zeitlose Namen: Anna, Jonas, Maria (mit Abwandlungen wie Marie, Mia), Michael, Philipp (mit unterschiedlichen Schreibweisen), Julia sind zum Beispiel eigentlich immer beliebt.

10. Herkunft

Klare Sache: Ausländischer Vorname und deutscher Nachname klingen komisch. Italienische, englisch und französische Vornamen bilden hier wohl eine Ausnahme, weil sie in Deutschland schon länger üblich sind. Die Frage „Ostdeutschland oder nichtdeutscher Elternteil?“ werden sich manche Leute trotzdem stellen. Wenn du Möller heißt und einen nigerianischen Erst- und einen finnischen Zweitnamen wählst, wirst du wohl verwirrte Blicke ernten.

Fun fact: Frauen scheinen öfter französische, Männer öfter englische Namen zu bevorzugen. Geht’s dir vielleicht auch so? Dann kannst du die Suche schonmal eingrenzen! Nach Herkunftsland oder -region kannst du zum Beispiel hier und hier suchen.

11. Klang

a) Nachname

Am schönsten ist es, wenn Vokal am Ende des Vornamens und Vokal am Anfang des Nachnamens nicht aufeinander treffen, zum Beispiel so: Eva Adenauer. Oder Zischlaut auf Zischlaut wie in Jonas Schönwald.

b) Zweitnamen

Wenn du mehrere Vornamen willst, sprich sie direkt hintereinander inklusive Nachnamen vor. Aus Maria Jana wird dann vielleicht wegen des besseren Klangs Jana Maria. Welchen du dann als Rufnamen nimmst, ist egal.

c) Aussprache

Wenn dein Vorname englisch und dein Nachname französisch ausgesprochen werden sollen, kriegt man schnell Knoten in der Zunge. Eine allzu unterschiedliche Aussprache klingt also oft nicht so toll.

Bürokratie

12. Wie viele?

In Deutschland sind Vornamen auf maximal fünf begrenzt. Denk aber daran, dass du auf wichtigen Dokumenten (zum Beispiel bei vielen finanziellen Dingen) alle Namen aufführen musst. Ein bisschen Auswahl ist aber nicht unbedingt schlecht, falls du mal den Rufnamen wechseln willst.

13. Geschlechtsneutral

Nicht nur praktisch, wenn du dich eher zwischen den Geschlechtern siehst oder nicht so sehr geschlechtlich wahrgenommen werden willst. Du musst in Deutschland seit ein paar Jahren keinen eindeutigen Vornamen mehr tragen. Ausnahme: Namen wie Markus für eine Frau und Jana für einen Mann sind nicht erlaubt. Der Name darf also nicht zu einer falschen Geschlechtszuordnung führen. Bei ausländischen Namen gilt das entsprechend dem Ursprungsort (z. B. ist Andrea in Italien ein Männername).

14. Bis wann muss ich mich entscheiden?

Du kannst dich noch bis zum Termin beim Amtsgericht umentscheiden.

Gesunder Menschenverstand

15. Eigentlich logisch, aber …

… überleg dir, ob du wirklich Lust hast, deinen Namen jedes Mal zu buchstabieren. Das mag am Anfang Spaß machen, aber wenn der neue Name nicht mehr ganz neu ist und du jedes Mal F-R-E-D-E-R-I-Q-U-E-Bindestrich-C-O-N-S-T-A-N-Z-E sagen musst, reicht’s auch irgendwann.

16. Eigentlich noch logischer

Dein Name muss dir gefallen. Vielleicht ist dir die Herkunft wichtig, vielleicht die Verbindung zu deiner Familie, vielleicht die Bedeutung. Alles in allem leben Namen vom Klang, das heißt, auch wenn du die Bedeutung „Glück“ schön und passend findest, musst du den Namen Lykke täglich hören.

17. Abschließend eine kleine Warnung

Probier auch mal die Initialen aus. Wenn etwas wie NS, SS oder KZ rauskommt (oder etwas Witziges wie WC, BH oder gar CDU), willst du diese Varianten vielleicht streichen. Du darfst natürlich trotzdem dabei bleiben, verboten ist es nicht! Es ist nur besser, das vorher zu wissen, bevor dich irgendwer damit aufzieht und du es nicht mehr ändern kannst.

 

Alle Vornamen-Nachnamen-Kombinationen sind absolut frei erfunden. Ich habe absichtlich Namen gewählt, bei denen ich keine konkrete Person vor Augen habe.

Wie bist du auf deinen Vornamen gekommen? Falls du noch keinen neuen hast: Welche Ideen hast du? Und welche Kriterien sind dir wichtig?
Namensfindung

Bin ich transsexuell? – Woran du das merkst (und woran eher nicht) 59

Bin ich transsexuell?Woran erkenne ich, dass ich transsexuell bin? Mein erster Artikel bei im-falschen-koerper.de ist gleichzeitig einer der schwierigsten.

Ich schreibe heute über ein paar Indizien und den einzigen Weg, die richtige Antwort zu finden.

Als erstes werde ich dich vielleicht ein bisschen enttäuschen und deine Erwartungen dämpfen.

Wenn du über eine Suchmaschine genau bei dieser Frage hier gelandet bist, hast du es vielleicht in den anderen Ergebnissen schon gelesen: Leider kann dir das niemand von außen beantworten. Keine Ärztin, kein Therapeut, weder deine Eltern noch deine besten Freunde. So etwas beantwortet auch kein Test, wo du etwas ankreuzen musst.

Indizien

Es gibt eine ganze Reihe von „Indizien“, die man oft in Lebensläufen von Transsexuellen findet. Typisch sind:

  • Ich wollte als Kind keine Kleider tragen.
  • Ich habe immer mit Puppen gespielt.
  • Ich war nie ein typisches Mädchen/nie ein typischer Junge.
  • Alle haben immer gesagt, an mir ist ein Junge verloren gegangen.
  • Usw.

Das sind wirklich bloß Indizien. Es gibt eine ganze Menge nicht transsexuelle Menschen, die das Gleiche sagen. Lass dich nicht in einen „Ich war schon immer viel transsexueller als du“-Wettbewerb hineinziehen.

Ich find’s völlig in Ordnung, „ich hatte/war ja schon immer …“ zu sagen. Aber lass dich nicht davon verunsichern, wenn du so etwas nicht sagen kannst. Ich hatte nie ein Problem mit Kleidern und meine Brüder haben gerne mit Puppen gespielt.

Wenn das so also nicht geht: Wie findet man heraus, dass man transsexuell ist?

Da gibt’s eigentlich nur eine Möglichkeit. Bauchgefühl.

Aber bevor ich das erkläre, noch eine Überlegung.

Stell dir mal vor, du wärst ganz alleine auf der Welt.

Halt mal kurz inne, bevor du weiterliest. Stell es dir wirklich mal vor.

Wenn du ganz allein auf der Welt wärst, welches Geschlecht hättest du dann? Oder wäre es dann sowieso egal? Würdest du etwas an dir verändern wollen?

Bauchgefühl

Wow, allein darüber könnte man Bücher schreiben. Einmal die Kurzfassung:

Der Bauch ist der Sitz deiner Gefühle. Und darum geht es ja bei Transsexualität: um ein Gefühl, das niemand von außen beweisen kann.

Wie gut kommst du mit deinem Bauchgefühl aus? Kennst du es und vertraust ihm? Oder kannst du es nicht so gut spüren? Fängst du sofort an, nachzudenken, wenn ich dich jetzt frage: Wie geht es dir? Denkst du darüber nach oder spürst du es?

Ob du männlich oder weiblich oder etwas dazwischen bist oder dich geschlechtlich überhaupt nicht einordnest, kann keine Kopfentscheidung sein. Der Verstand hat da nichts zu suchen, der kennt eh nur, was er sieht und was auf deiner Geburtsurkunde steht. Versteh mich nicht falsch: Dein Verstand ist ein guter Berater und absolut unverzichtbar, aber dir zu sagen, was du fühlst und ob du transsexuell bist oder nicht, geht weit über seine Kompetenz.

Wie du dich selber aushältst

Vielleicht gehörst du zu denen, die sich selber nicht gut aushalten können und mit ihrem Bauchgefühl gar nicht in Kontakt treten können. Das geht am besten mit ein paar Minuten Ruhe und einer Hand auf dem Bauch. Wenn du die Hand mal hierhin, mal dorthin legst, merkst du bald, wo du dich am besten spüren kannst.

Kennst du dein Bauchgefühl und kannst es nicht wirklich „festhalten“, entgleitet es dir nach Sekunden? Oder sogar nach dem Bruchteil einer Sekunde? Erst einmal: Schön, dass du es schonmal ein bisschen spüren kannst. :-) Wirklich.

Dich zu spüren, ist ganz einfach eine Übungssache. Wenn du für den Bruchteil einer Sekunde deine Gefühle wahrnehmen kannst – gut. Vielleicht geht es nächstes Mal eine Millisekunde länger. Und dann noch eine Millisekunde. Das ist okay. Wichtige Dinge brauchen Zeit.

Welches Geschlecht habe ich beim Zähneputzen?

Die Frage klingt natürlich absichtlich ein bisschen absurd. Ich habe sie mir ein Jahr lang gestellt.

Natürlich ohne sie so auszuformulieren, sonst wäre mir schon früher aufgefallen, auf welchem Trip ich da bin.

Nachdem ich plötzlich der Frage „Bin ich transsexuell?“ nicht mehr ausweichen konnte, fing ich an, meine Gefühle auf Schritt und Tritt zu überprüfen. So etwas fragt man sich schließlich nicht alle Tage, und die Antwort war so wichtig. Ich habe mich männlich gefühlt, ganz tief drinnen in meinem Bauchgefühl. Aber das musste sorgfältig geprüft werden! Also habe ich es geprüft – beim Spazierengehen, in der Vorlesung, beim Sex, beim Treffen mit Freunden, beim Zähneputzen.

Und dann Panik geschoben, wenn ich mich mal nicht eindeutig männlich gefühlt habe. Vielleicht stimmte das alles doch nicht?

Was für ein Schwachsinn. Beim Zähneputzen ist mir mein Geschlecht mal so was von wuppe, was hat das denn damit zu tun?

Geschlecht ist nicht in jeder Situation wichtig. Wichtig ist es in sozialen Interaktionen: wenn wir mit Freunden zusammen sind, wenn wir auf der Straße angesprochen werden, wenn wir mit Partner oder Partnerin intim sind. (Okay, selbst da ist es nicht andauernd wichtig, aber auf jeden Fall eher als beim Zähneputzen.)

 

Soziale Zusammenhänge sind also am besten, um sich das zu fragen. Aber auch Momente, wo du mit dir alleine bist, wenn du dich fragen kannst, wie du dich unabhängig von allen anderen und dem ganzen sozialen Kram fühlst. Fantasien sind auch ein guter Ort dafür.

Fantasien

Tagträume sind ein guter Ort, um aus der Realität zu flüchten, wenn diese allzu harsch ist. Mit wem identifizierst du dich in Tagträumen? Das kann ein Indiz sein.

Ja, auch dieser Abschnitt enthält Indizien. Immerhin kann sich jede_r sich mal als Frau und mal als Mann vorstellen. Aber wenn du dir immer wieder Geschichten ausdenkst, in denen du dich mit dem anderen Geschlecht identifizierst, und das auch in deinen sexuellen Fantasien tust, dann ist das schon ein starkes Indiz.

 

Und das war’s mit diesem Artikel. Eine kurze Zusammenfassung:

  • Indizien: geschlechtsuntypisches Verhalten (nicht aussagekräftig), Fantasien (schon aussagekräftiger).
  • Wie wär das, wenn du ganz allein auf der Welt wärst?
  • Bauchgefühl, Bauchgefühl, Bauchgefühl.

 

Einen sehr schönen Beitrag zum Thema „Finde heraus, wer du bist“ gibt es übrigens bei transsexuell.de.

 

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