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Wie über die Vergangenheit sprechen?

Vergangenheit von TranssexuellenSag ich jetzt er oder sie? Junge oder Mädchen? Diese Frage stellen sich die Angehörigen und viele andere im Umfeld der transsexuellen Person – Berater wie ich beispielsweise, die in kein Fettnäpfchen treten und niemanden verletzen wollen.

„Richtig“ von der Vergangenheit sprechen

Wenn wir von der Vergangenheit einer Trans*person sprechen, wirft das oft Fragen auf. Und zwar dann, wenn es um die Zeit vor dem Coming-out geht.

Als Beispiel dient mir heute eine (fiktive) Transfrau. Heute sage ich „sie“ und „Anna“, alles klar. Aber was, wenn ich zum Beispiel in der Beratung auf ihre Kindheit zu sprechen komme?

Sage ich:

Als du ein kleines Mädchen warst …

oder

Als du ein kleiner Junge warst …

Jetzt ist es naheliegend, einfach geschlechtsneutral zu sprechen, was in diesem Satz super möglich ist.

Als du noch ein Kind warst …

Probleme kriegen wir bei den Pronomen. Er oder sie?

Geheimwaffe: Einfach fragen.

Ist es dir recht, wenn ich auch Anna sage, wenn ich von dir als Kind spreche?

Oder:

Wenn wir von früher reden, wie soll ich dich da nennen?

Denn manchmal ist es auch für uns Trans*leute schwierig, rückwirkend umzudenken. Wenn ich von mir als Kind spreche, ist „Philipp“ zwar nicht wirklich verkehrt, aber manchmal passt es nicht zu meinem Gefühl. Damals hieß ich schließlich noch nicht so und wenn ich an das Kind denke, das ich früher war, ist Philipp nicht der richtige Name. Mein Geburtsname allerdings auch nicht. Ersatzweise habe ich mir einen Spitznamen ausgedacht.

Manchmal komme ich in sprachliche Schwierigkeiten – zum Beispiel, wenn ich Wörter benutzen muss, die in der deutschen Sprache nun einmal geschlechtlich sind. Wörter wie Student, Exfreund, Schüler, Mann, … Ich bin zum Beispiel ein Exfreund. Mein früherer Partner würde das möglicherweise anders formulieren, immerhin bin ich damals noch nicht als Mann aufgetreten. Eine Lösung dafür habe ich nicht, aber wenn ich mit meinen Klient*innen in der Beratung spreche, bleibe ich bei den Ausdrücken, die ich auch heute für sie verwenden würde.

Für die 40-jährige Anna heißt das:

Anna, du bist ja ihre Exfrau …

Da warst du noch Studentin, oder?

Wie ging es dir damit, als du noch ein kleines Kind warst?

Trotzdem gibt es eine Faustregel, die ich dir mitgeben will:

Das bitte nicht tun:

Einfach das Geschlecht wechseln, wenn du von der Vergangenheit sprichst. Selbst, wenn du Anna schon kanntest, als sie noch Wolfgang hieß.

Zum einen kann das nämlich wehtun, weil es für Anna vielleicht sehr schmerzhaft war, als männlich wahrgenommen und mit dem männlichen Vornamen angesprochen zu werden. Zweitens signalisierst du durch die Verwendung ihres weiblichen Namens, dass du sie so akzeptierst, wie sie heute vor dir steht.

Pfui:

Das ist ja richtig fies – damals warst du doch noch ein kleiner Junge.

Und dann … das war so witzig! Anna – wobei, die hieß da ja noch Wolfgang – ist einfach hingegangen und hat ihm das Bier direkt ins Gesicht geschüttet!

(Ganz gemein ist so etwas vor anderen, die Anna nur als Anna kennen. Bei denen entsteht im Kopf nämlich die Vorstellung davon, wie Anna wohl „als Wolfgang“ ausgesehen hat – und Anna will das wahrscheinlich nicht.)

Auf keinen Fall allgemeingültig, aber meiner Meinung nach okay:

Der Perspektivwechsel.

Aus Manuelas Sicht bist du ihr Exmann.

Damals wurdest du als harter Kerl wahrgenommen.

Die rechtliche Seite dazu ist interessant: Die Vornamensänderung, die man beim Amtsgericht beantragen kann, gilt rückwirkend. In der Annahme, dass bei der Geburt das Geschlecht irrtümlich falsch eingetragen wurde, wird die Geburtsurkunde geändert. – Das ist nur ein Beispiel, denn die Verwendung des gewählten Vornamens gilt (außer nach Absprache natürlich) auch bei Menschen, deren Vorname nicht auf dem Papier geändert ist.

 

Unten ist wie immer Platz für ähnliche und andere Erfahrungen!

Vergangenheit von Transsexuellen

Woran merke ich, dass mein Kind (Partner, …) transsexuell ist? 6

Ist mein Kind/mein Partner/meine Freundin/… transsexuell? Eine Hilfestellung für Angehörige, die sich besonders an Eltern richtet.

Leider war der Text supersperrig zu lesen, als ich immer zwischen „sie“ und „er“ wechselte. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, heute mal nur von „ihm“ zu sprechen. Trotzdem gilt natürlich alles auch für alle anderen!

Woran merke ich, dass XY transsexuell ist?

XY sei „mein Kind“, „mein Partner“, „meine Arbeitskollegin“, „irgendjemand“. Die Frage hat laut meiner Statistik schon einige Besucher auf diese Seite gebracht. (Keine Sorge – ich sehe nicht, wer sucht, nur ab und zu die Suchbegriffe.) Wenn du durch eine ähnliche Frage hergefunden hast, stellst du dir vermutlich eine dieser Fragen:

  1. Ist dieser Mensch transsexuell?
  2. Wie kann ich erkennen, ob er trans* ist?
  3. Wie spreche ich meinen Freund, meinen Sohn, meinen Mann darauf an, ob er trans* ist?
  4. Wie signalisiere ich meinem Kind, dass ich für es da bin?
  5. Wohin kann ich mich als Angehöriger wenden, wenn der Mensch nicht darüber reden möchte?

In diesem Artikel erzähle ich dir, wie ich – als Transmann und Berater – das sehe. Das Folgende ist also nur als Denkanstoß zu verstehen – wenn du anderer Meinung bist, freuen sich außer mir bestimmt auch andere Besucher über deinen Kommentar!

Ich unterscheide grob zwischen zwei Fällen: Fall Nr. 1 – Die Person ist ein Bekannter von dir, also niemand, der dir richtig nahe steht. Du bist neugierig oder ein bisschen besorgt, aber fühlst dich nicht wirklich betroffen und deine Sorge um ihn geht nicht sehr tief. Fall Nr. 2 – Die Person ist dein Angehöriger, Freund, Partner. In diesem Fall hast du vielleicht ein bisschen Angst – um ihn und eure Beziehung zueinander.

Fall Nr. 1: Er ist dein Bekannter

  • Sprich Bekannte lieber direkt an als hinter ihrem Rücken rumzufragen oder gar Gerüchte zu verbreiten.
  • Wenn du es ansprichst, lass dem betreffenden Menschen die Chance, sich ohne Blamage einer Antwort zu verweigern. Sag so etwas wie „Du brauchst nicht zu antworten, falls ich dir zu nahe trete“ – und mein das dann auch so.
  • Du wirst es über Spekulationen wohl nicht herausfinden. Ich weiß, dass das Thema unheimlich spannend sein kann und es bestimmt auch sehr interessant wäre, ein Geheimnis herauszufinden: Hat deine Professorin einen ausgeprägten Adamsapfel? Hat dein Lehrer nicht viel zu kleine Hände für einen Mann? – Solche kleinen Hinweise zu finden ist vielleicht lustig, aber in 98 % der Fälle gibt es eine unspektakuläre Erklärung. Die meisten körperlichen „Auffälligkeiten“, die Transsexuelle haben, haben auch ganz viele andere.
  • Falls du eine sehr ehrliche Person bist, die anderen durch ihre Offenheit hin und wieder auf die Füße tritt: deine Ehrlichkeit kann bestimmt erfrischend sein. Aber Transsexualität ist ein schwieriges, oft schmerzhaftes Thema. Wenn du wenig Fingerspitzengefühl hast und es um jemanden geht, den du kaum kennst – z. B. einen Kollegen, Mitschüler oder Kommilitonen – frag dich vorher, ob dir die Antwort wirklich so wichtig ist, dass du jemanden mit der Frage verletzt. Wir haben selten Anspruch auf die Wahrheiten eines anderen.
  • Zu guter Letzt: Es ist meistens besser, direkt zu fragen, als hinter dem Rücken der Person Gerüchte zu verbreiten oder andere Leute zu fragen: „Ist der mal ’ne Frau gewesen?“ – Mal abgesehen davon, dass ich von dieser Formulierung dringend abrate.

Fall Nr. 2: Die Person steht dir nahe

Wenn es um dein Kind, Elternteil, deinen Partner oder deine Partnerin oder um gute Freunde geht, kannst du die Sache natürlich nicht so einfach abhaken.

Ich würde dir empfehlen, das Thema vorsichtig anzuschneiden, wenn es sich bei diesem wichtigen Menschen um einen Freund handelt. Denn auch hier gilt: lieber ansprechen als andere Leute in Verschwörungstheorien und dergleichen zu verwickeln.

Vorausgesetzt, dein (guter/bester) Freund ist trans*:

Gute Freunde und Bekannte, die mit mir über meine Transsexualität sprechen, drucksen am Anfang ziemlich viel herum. Sie wollen mich mit ihren Formulierungen nicht verletzen und sind deshalb besonders rücksichtsvoll. Das finde ich genau richtig so, denn gerade wenn ihr noch nie darüber gesprochen habt, weißt du noch nicht, welche Ausdrucksweisen dein Freund gut annehmen kann und welche ihm wehtun. Bei „[früher] mal ’ne Frau“ könnte ich persönlich nämlich die Wände hoch gehen. Das erfährt man allerdings nur, wenn man mich fragt!

Ob es allgemeingültige, immer-harmlose Formulierungen gibt, weiß ich nicht. Du kannst die Tür für ein Gespräch öffnen, indem du von einem transsexuellen Arbeitskollegen oder dergleichen erzählst und so zeigst, dass du mit dem Thema gelassen umgehst; oder indem du dich selber öffnest und etwas aus deiner Gefühlswelt preisgibst. So wird es vielleicht leichter für deinen Freund, sich dir anzuvertrauen – nicht unbedingt jetzt, aber irgendwann.

Bei Verwandten, Partnern und wenn du vermutest, dass er/sie sich noch selber orientiert:

Wenn du das Thema direkt ansprichst, macht dein Sohn, Freund oder Mann vielleicht dicht, weil er sich selber noch gar nicht sicher ist. Oder möglicherweise will er im Augenblick noch nicht darüber sprechen.

Du möchtest ihm mitteilen, dass du ihn nicht drängen wirst, aber für ihn da bist?

Versuch’s mal damit, von dieser Reportage neulich zu reden, in der es um Transsexualität ging. Bleib bei dem Thema und geh nicht über zu „Also, wenn du mir was sagen willst, dann …“ (Du willst ja nicht drängen, weißt du noch?) Drück dein Mitgefühl mit dieser Person in der Reportage/dem Zeitungsartikel/dem Buch aus und dein Verständnis für sie.

Meinen Gesprächen mit anderen Trans*leuten zufolge wünschen viele sich das am meisten: so wissen wir, dass das Thema für unsere Lieben kein Tabu ist, kein schreckliches Albtraumszenario.

(Einen ähnlichen Tipp gibt die Seite Eltern im Netz im Zusammenhang mit lesbischen und schwulen Kindern:)

Wenn Sie glauben, Ihr Kind könnte homosexuell sein und es nicht direkt fragen möchten, könnten Sie über einen Umweg das Gespräch auf eine lesbische Kollegin oder einen schwulen Schauspieler bringen und dabei signalisieren, dass Homosexualität für Sie nichts Unnormales ist und dass die sexuelle Neigung eines Menschen für Sie keine Bedeutung für den Charakter hat. […] Wenn Ihr Kind weiß, dass Homosexualität für Sie kein Tabuthema ist und spürt, dass Sie ihm wirklich helfen möchten, ist es eher bereit, sich Ihnen mitzuteilen.

Im Augenblick ist die Vorstellung für dich aber ein Albtraumszenario?

Nö, ich halte dich jetzt nicht für einen Unmenschen. Du machst dir vermutlich große Sorgen, hast Angst vor dem zum größten Teil unbekannten Thema und womöglich auch vor den Reaktionen eurer Mitmenschen. Für dich und die Person, um die es dir geht, ist es sicherlich das Beste, wenn du dich erst einmal in Ruhe informierst und dir eventuell auch Unterstützung holst.

Viele Eltern, aber auch Partner und Freunde melden sich in Foren an, in denen normalerweise Transsexuelle schreiben. Meistens sind sie stille Mitleser.

Hol dir ruhig auch professionelle Unterstützung – wenn du kein Geld hast, such dir eine Beratungsstelle (s. u.) und wenn dich die Situation stark mitnimmt oder alles etwas zu viel ist, zahlt die Krankenkasse Psychotherapie. Du brauchst mit deinen Sorgen nicht alleine dazustehen und verringerst so das Risiko, dem anderen Menschen das Gefühl zu geben, dass er für dein Wohlgefühl verantwortlich wäre.

Tipps speziell für Eltern: Was tun, wenn mein Kind trans* ist?

Falls du direkt bis zu dieser Überschrift runtergescrollt hast: schau auch nochmal rauf, unter „Fall Nr. 2: Die Person steht dir nahe“ stehen Hinweise, die dich auch betreffen.

Diese Broschüre von Queerformat ist toll; in ihr erzählen Eltern vom Coming-out ihrer schwulen, lesbischen, bisexuellen und eben auch transsexuellen Kinder.

Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Eltern homosexueller Kinder nehmen in aller Regel auch Eltern von transsexuellen Kindern gut auf. Sie führen zwar oft nur „lesbisch“ und „schwul“ im Titel, sind aber trotzdem wichtige und kompetente Anlaufstellen. Als Elternteil kannst du hier auch etwas Essenzielles erfahren: Du hast nichts falsch gemacht.

Falls du nicht weißt, wohin du dich (als Elternteil) wenden kannst, ist eine Beratungsstelle wie pro familia oder das schwul-lesbische Zentrum deiner Stadt ein erster Anlaufpunkt.

 

Was ist mit dir: Hast du andere Tipps für spätere Leser? Oder hast du Fragen an mich? Wenn du selber trans* bist: wie hättest DU gerne, dass Leute mit ihrer Frage „Woran merke ich, dass XY transsexuell ist“ umgehen?


The artist formerly known as … 17 Tipps für die Namensfindung 3

Namensfindung„Wie soll ich dich denn jetzt nennen?“

Einen neuen Namen zu finden, ist ganz einfach. Es gibt ja ganz viele Seiten mit Vornamen, da kannst du dir einfach einen aussuchen. Hier findest du zum Beispiel gleich 21.584 Jungen- und 24.237 Mädchennamen. Hehe. :-)

Wenn du also noch gar keinen Plan hast oder dir unsicher bist, welchen Namen du in Zukunft verwenden willst, musst du die Auswahl einschränken oder das Problem ganz anders angehen.

Mein Rat ist: Nicht alle Kriterien werden für dich wichtig sen, also schau mal, welche zu dir passen und welche nicht so sehr. Und dann mach dir Notizen zu den einzelnen Punkten, so hältst du alle Ideen fest und kannst sie später auswerten.

Warum in die Ferne schweifen?

1. Dein allererster Einfall

Die intuitive Variante. Was ist dir eingefallen, als du das erste Mal darüber nachgedacht hast? Oder: Welcher Name fällt dir jetzt als allererstes ein?

2. Früher

Hattest du früher schon einen anderen Namen für dich?

3. Fantasie

Wenn du dir Geschichten ausgedacht hast, welche Namen hast du dann verwendet? Hast du ein Alter Ego in Tagträumen?

4. Dein Umfeld

Mit wem kannst du darüber reden? Befrag deine Freunde und deine Familie, welchen Namen sie für dich hätten. „Welcher Name würde zu mir passen?“ – Manchmal haben sie verblüffende Ideen. (Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele neue Bekannte mich unabhängig voneinander Steffen genannt haben.)

Vielleicht magst du auch deine Eltern bzw. Sorgeberechtigten Vorschläge machen lassen. Oder leg ihnen deine Engere-Wahl-Liste vor und lass sie einen aussuchen. Das will natürlich nicht jede*r, aber mancher/manchem ist es wichtig, die Eltern miteinzubeziehen, weil sie ja normalerweise den Vornamen aussuchen.

5. Spitznamen

Wenn du einen Lieblingsspitznamen hast: Gibt es einen Namen, der dazu passen würde? Der Vorteil: der Name ist dir schon mehr vertraut und du musst dich nicht erst an einen neuen gewöhnen.

6. Dein alter Name in neu

Eine ganz einfache Abwandlung, falls das mit deinem alten Namen möglich ist: Martin –> Martina, Michelle –> Michael, Jan –> Jana. Auch hier hast du den Vorteil, dass der Name dir vertraut ist. Der Nachteil: Wenn Menschen wissen, dass du trans* bist, werden sie vielleicht genau diesen Rückschluss ziehen und so was sagen wie: „Stefan, hm? Dann hießt du bestimmt mal Stefanie?“ Wenn du deinen alten Namen geheim halten willst, ist das also keine so gute Variante.

7. Familienbande

Meine Geschwister haben die gleichen Initialen. Mir war’s wichtig, das beizubehalten. Gibt es in deiner Familie ähnliche Traditionen? Wenn ja: willst du sie weiterführen oder mit ihnen brechen?

Gibt es in deiner Verwandschaft oder unter deinen Vorfahren jemanden, nach dem bzw. der du dich benennen möchtest? Vielleicht als Zweitnamen?

8. Abgucken

Alter Trick: Schau dir einen Film an und bleib bis ganz zum Ende sitzen. Scann den Abspann. Vielleicht entdeckst du ganz neue Namen, die du noch nicht kanntest, oder dir fällt ein gewöhnlicher Name immer wieder auf. Auch gut: Ab in die Buchhandlung, in Namensbüchern schmökern. Dabei helfen auch Tipps 9-11.

Suchkriterien

9. Historisch korrekt

Naja, der Titel ist natürlich nicht ganz ernst gemeint.

Du könntest deinen Namen passend zu deinem Geburtsjahr wählen. Hier findest du die beliebtesten Vornamen nach Jahren und nach Jahrzehnten. Das ist besonders praktisch, wenn du später möglichst unauffällig leben willst, denn als 50jährige Chantal bzw. als 50jähriger Tyler (bei deutschen Vorfahren) wirst du eher mal nach der Herkunft deines Vornamens gefragt.

Zeitlose Namen: Anna, Jonas, Maria (mit Abwandlungen wie Marie, Mia), Michael, Philipp (mit unterschiedlichen Schreibweisen), Julia sind zum Beispiel eigentlich immer beliebt.

10. Herkunft

Klare Sache: Ausländischer Vorname und deutscher Nachname klingen komisch. Italienische, englisch und französische Vornamen bilden hier wohl eine Ausnahme, weil sie in Deutschland schon länger üblich sind. Die Frage „Ostdeutschland oder nichtdeutscher Elternteil?“ werden sich manche Leute trotzdem stellen. Wenn du Möller heißt und einen nigerianischen Erst- und einen finnischen Zweitnamen wählst, wirst du wohl verwirrte Blicke ernten.

Fun fact: Frauen scheinen öfter französische, Männer öfter englische Namen zu bevorzugen. Geht’s dir vielleicht auch so? Dann kannst du die Suche schonmal eingrenzen! Nach Herkunftsland oder -region kannst du zum Beispiel hier und hier suchen.

11. Klang

a) Nachname

Am schönsten ist es, wenn Vokal am Ende des Vornamens und Vokal am Anfang des Nachnamens nicht aufeinander treffen, zum Beispiel so: Eva Adenauer. Oder Zischlaut auf Zischlaut wie in Jonas Schönwald.

b) Zweitnamen

Wenn du mehrere Vornamen willst, sprich sie direkt hintereinander inklusive Nachnamen vor. Aus Maria Jana wird dann vielleicht wegen des besseren Klangs Jana Maria. Welchen du dann als Rufnamen nimmst, ist egal.

c) Aussprache

Wenn dein Vorname englisch und dein Nachname französisch ausgesprochen werden sollen, kriegt man schnell Knoten in der Zunge. Eine allzu unterschiedliche Aussprache klingt also oft nicht so toll.

Bürokratie

12. Wie viele?

In Deutschland sind Vornamen auf maximal fünf begrenzt. Denk aber daran, dass du auf wichtigen Dokumenten (zum Beispiel bei vielen finanziellen Dingen) alle Namen aufführen musst. Ein bisschen Auswahl ist aber nicht unbedingt schlecht, falls du mal den Rufnamen wechseln willst.

13. Geschlechtsneutral

Nicht nur praktisch, wenn du dich eher zwischen den Geschlechtern siehst oder nicht so sehr geschlechtlich wahrgenommen werden willst. Du musst in Deutschland seit ein paar Jahren keinen eindeutigen Vornamen mehr tragen. Ausnahme: Namen wie Markus für eine Frau und Jana für einen Mann sind nicht erlaubt. Der Name darf also nicht zu einer falschen Geschlechtszuordnung führen. Bei ausländischen Namen gilt das entsprechend dem Ursprungsort (z. B. ist Andrea in Italien ein Männername).

14. Bis wann muss ich mich entscheiden?

Du kannst dich noch bis zum Termin beim Amtsgericht umentscheiden.

Gesunder Menschenverstand

15. Eigentlich logisch, aber …

… überleg dir, ob du wirklich Lust hast, deinen Namen jedes Mal zu buchstabieren. Das mag am Anfang Spaß machen, aber wenn der neue Name nicht mehr ganz neu ist und du jedes Mal F-R-E-D-E-R-I-Q-U-E-Bindestrich-C-O-N-S-T-A-N-Z-E sagen musst, reicht’s auch irgendwann.

16. Eigentlich noch logischer

Dein Name muss dir gefallen. Vielleicht ist dir die Herkunft wichtig, vielleicht die Verbindung zu deiner Familie, vielleicht die Bedeutung. Alles in allem leben Namen vom Klang, das heißt, auch wenn du die Bedeutung „Glück“ schön und passend findest, musst du den Namen Lykke täglich hören.

17. Abschließend eine kleine Warnung

Probier auch mal die Initialen aus. Wenn etwas wie NS, SS oder KZ rauskommt (oder etwas Witziges wie WC, BH oder gar CDU), willst du diese Varianten vielleicht streichen. Du darfst natürlich trotzdem dabei bleiben, verboten ist es nicht! Es ist nur besser, das vorher zu wissen, bevor dich irgendwer damit aufzieht und du es nicht mehr ändern kannst.

 

Alle Vornamen-Nachnamen-Kombinationen sind absolut frei erfunden. Ich habe absichtlich Namen gewählt, bei denen ich keine konkrete Person vor Augen habe.

Wie bist du auf deinen Vornamen gekommen? Falls du noch keinen neuen hast: Welche Ideen hast du? Und welche Kriterien sind dir wichtig?
Namensfindung

Bin ich transsexuell? – Woran du das merkst (und woran eher nicht) 55

Bin ich transsexuell?Woran erkenne ich, dass ich transsexuell bin? Mein erster Artikel bei im-falschen-koerper.de ist gleichzeitig einer der schwierigsten.

Ich schreibe heute über ein paar Indizien und den einzigen Weg, die richtige Antwort zu finden.

Als erstes werde ich dich vielleicht ein bisschen enttäuschen und deine Erwartungen dämpfen.

Wenn du über eine Suchmaschine genau bei dieser Frage hier gelandet bist, hast du es vielleicht in den anderen Ergebnissen schon gelesen: Leider kann dir das niemand von außen beantworten. Keine Ärztin, kein Therapeut, weder deine Eltern noch deine besten Freunde. So etwas beantwortet auch kein Test, wo du etwas ankreuzen musst.

Indizien

Es gibt eine ganze Reihe von „Indizien“, die man oft in Lebensläufen von Transsexuellen findet. Typisch sind:

  • Ich wollte als Kind keine Kleider tragen.
  • Ich habe immer mit Puppen gespielt.
  • Ich war nie ein typisches Mädchen/nie ein typischer Junge.
  • Alle haben immer gesagt, an mir ist ein Junge verloren gegangen.
  • Usw.

Das sind wirklich bloß Indizien. Es gibt eine ganze Menge nicht transsexuelle Menschen, die das Gleiche sagen. Lass dich nicht in einen „Ich war schon immer viel transsexueller als du“-Wettbewerb hineinziehen.

Ich find’s völlig in Ordnung, „ich hatte/war ja schon immer …“ zu sagen. Aber lass dich nicht davon verunsichern, wenn du so etwas nicht sagen kannst. Ich hatte nie ein Problem mit Kleidern und meine Brüder haben gerne mit Puppen gespielt.

Wenn das so also nicht geht: Wie findet man heraus, dass man transsexuell ist?

Da gibt’s eigentlich nur eine Möglichkeit. Bauchgefühl.

Aber bevor ich das erkläre, noch eine Überlegung.

Stell dir mal vor, du wärst ganz alleine auf der Welt.

Halt mal kurz inne, bevor du weiterliest. Stell es dir wirklich mal vor.

Wenn du ganz allein auf der Welt wärst, welches Geschlecht hättest du dann? Oder wäre es dann sowieso egal? Würdest du etwas an dir verändern wollen?

Bauchgefühl

Wow, allein darüber könnte man Bücher schreiben. Einmal die Kurzfassung:

Der Bauch ist der Sitz deiner Gefühle. Und darum geht es ja bei Transsexualität: um ein Gefühl, das niemand von außen beweisen kann.

Wie gut kommst du mit deinem Bauchgefühl aus? Kennst du es und vertraust ihm? Oder kannst du es nicht so gut spüren? Fängst du sofort an, nachzudenken, wenn ich dich jetzt frage: Wie geht es dir? Denkst du darüber nach oder spürst du es?

Ob du männlich oder weiblich oder etwas dazwischen bist oder dich geschlechtlich überhaupt nicht einordnest, kann keine Kopfentscheidung sein. Der Verstand hat da nichts zu suchen, der kennt eh nur, was er sieht und was auf deiner Geburtsurkunde steht. Versteh mich nicht falsch: Dein Verstand ist ein guter Berater und absolut unverzichtbar, aber dir zu sagen, was du fühlst und ob du transsexuell bist oder nicht, geht weit über seine Kompetenz.

Wie du dich selber aushältst

Vielleicht gehörst du zu denen, die sich selber nicht gut aushalten können und mit ihrem Bauchgefühl gar nicht in Kontakt treten können. Das geht am besten mit ein paar Minuten Ruhe und einer Hand auf dem Bauch. Wenn du die Hand mal hierhin, mal dorthin legst, merkst du bald, wo du dich am besten spüren kannst.

Kennst du dein Bauchgefühl und kannst es nicht wirklich „festhalten“, entgleitet es dir nach Sekunden? Oder sogar nach dem Bruchteil einer Sekunde? Erst einmal: Schön, dass du es schonmal ein bisschen spüren kannst. :-) Wirklich.

Dich zu spüren, ist ganz einfach eine Übungssache. Wenn du für den Bruchteil einer Sekunde deine Gefühle wahrnehmen kannst – gut. Vielleicht geht es nächstes Mal eine Millisekunde länger. Und dann noch eine Millisekunde. Das ist okay. Wichtige Dinge brauchen Zeit.

Welches Geschlecht habe ich beim Zähneputzen?

Die Frage klingt natürlich absichtlich ein bisschen absurd. Ich habe sie mir ein Jahr lang gestellt.

Natürlich ohne sie so auszuformulieren, sonst wäre mir schon früher aufgefallen, auf welchem Trip ich da bin.

Nachdem ich plötzlich der Frage „Bin ich transsexuell?“ nicht mehr ausweichen konnte, fing ich an, meine Gefühle auf Schritt und Tritt zu überprüfen. So etwas fragt man sich schließlich nicht alle Tage, und die Antwort war so wichtig. Ich habe mich männlich gefühlt, ganz tief drinnen in meinem Bauchgefühl. Aber das musste sorgfältig geprüft werden! Also habe ich es geprüft – beim Spazierengehen, in der Vorlesung, beim Sex, beim Treffen mit Freunden, beim Zähneputzen.

Und dann Panik geschoben, wenn ich mich mal nicht eindeutig männlich gefühlt habe. Vielleicht stimmte das alles doch nicht?

Was für ein Schwachsinn. Beim Zähneputzen ist mir mein Geschlecht mal so was von wuppe, was hat das denn damit zu tun?

Geschlecht ist nicht in jeder Situation wichtig. Wichtig ist es in sozialen Interaktionen: wenn wir mit Freunden zusammen sind, wenn wir auf der Straße angesprochen werden, wenn wir mit Partner oder Partnerin intim sind. (Okay, selbst da ist es nicht andauernd wichtig, aber auf jeden Fall eher als beim Zähneputzen.)

 

Soziale Zusammenhänge sind also am besten, um sich das zu fragen. Aber auch Momente, wo du mit dir alleine bist, wenn du dich fragen kannst, wie du dich unabhängig von allen anderen und dem ganzen sozialen Kram fühlst. Fantasien sind auch ein guter Ort dafür.

Fantasien

Tagträume sind ein guter Ort, um aus der Realität zu flüchten, wenn diese allzu harsch ist. Mit wem identifizierst du dich in Tagträumen? Das kann ein Indiz sein.

Ja, auch dieser Abschnitt enthält Indizien. Immerhin kann sich jede_r sich mal als Frau und mal als Mann vorstellen. Aber wenn du dir immer wieder Geschichten ausdenkst, in denen du dich mit dem anderen Geschlecht identifizierst, und das auch in deinen sexuellen Fantasien tust, dann ist das schon ein starkes Indiz.

 

Und das war’s mit diesem Artikel. Eine kurze Zusammenfassung:

  • Indizien: geschlechtsuntypisches Verhalten (nicht aussagekräftig), Fantasien (schon aussagekräftiger).
  • Wie wär das, wenn du ganz allein auf der Welt wärst?
  • Bauchgefühl, Bauchgefühl, Bauchgefühl.

 

Einen sehr schönen Beitrag zum Thema „Finde heraus, wer du bist“ gibt es übrigens bei transsexuell.de.

 

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