Berater


Wie über die Vergangenheit sprechen?

Vergangenheit von TranssexuellenSag ich jetzt er oder sie? Junge oder Mädchen? Diese Frage stellen sich die Angehörigen und viele andere im Umfeld der transsexuellen Person – Berater wie ich beispielsweise, die in kein Fettnäpfchen treten und niemanden verletzen wollen.

„Richtig“ von der Vergangenheit sprechen

Wenn wir von der Vergangenheit einer Trans*person sprechen, wirft das oft Fragen auf. Und zwar dann, wenn es um die Zeit vor dem Coming-out geht.

Als Beispiel dient mir heute eine (fiktive) Transfrau. Heute sage ich „sie“ und „Anna“, alles klar. Aber was, wenn ich zum Beispiel in der Beratung auf ihre Kindheit zu sprechen komme?

Sage ich:

Als du ein kleines Mädchen warst …

oder

Als du ein kleiner Junge warst …

Jetzt ist es naheliegend, einfach geschlechtsneutral zu sprechen, was in diesem Satz super möglich ist.

Als du noch ein Kind warst …

Probleme kriegen wir bei den Pronomen. Er oder sie?

Geheimwaffe: Einfach fragen.

Ist es dir recht, wenn ich auch Anna sage, wenn ich von dir als Kind spreche?

Oder:

Wenn wir von früher reden, wie soll ich dich da nennen?

Denn manchmal ist es auch für uns Trans*leute schwierig, rückwirkend umzudenken. Wenn ich von mir als Kind spreche, ist „Philipp“ zwar nicht wirklich verkehrt, aber manchmal passt es nicht zu meinem Gefühl. Damals hieß ich schließlich noch nicht so und wenn ich an das Kind denke, das ich früher war, ist Philipp nicht der richtige Name. Mein Geburtsname allerdings auch nicht. Ersatzweise habe ich mir einen Spitznamen ausgedacht.

Manchmal komme ich in sprachliche Schwierigkeiten – zum Beispiel, wenn ich Wörter benutzen muss, die in der deutschen Sprache nun einmal geschlechtlich sind. Wörter wie Student, Exfreund, Schüler, Mann, … Ich bin zum Beispiel ein Exfreund. Mein früherer Partner würde das möglicherweise anders formulieren, immerhin bin ich damals noch nicht als Mann aufgetreten. Eine Lösung dafür habe ich nicht, aber wenn ich mit meinen Klient*innen in der Beratung spreche, bleibe ich bei den Ausdrücken, die ich auch heute für sie verwenden würde.

Für die 40-jährige Anna heißt das:

Anna, du bist ja ihre Exfrau …

Da warst du noch Studentin, oder?

Wie ging es dir damit, als du noch ein kleines Kind warst?

Trotzdem gibt es eine Faustregel, die ich dir mitgeben will:

Das bitte nicht tun:

Einfach das Geschlecht wechseln, wenn du von der Vergangenheit sprichst. Selbst, wenn du Anna schon kanntest, als sie noch Wolfgang hieß.

Zum einen kann das nämlich wehtun, weil es für Anna vielleicht sehr schmerzhaft war, als männlich wahrgenommen und mit dem männlichen Vornamen angesprochen zu werden. Zweitens signalisierst du durch die Verwendung ihres weiblichen Namens, dass du sie so akzeptierst, wie sie heute vor dir steht.

Pfui:

Das ist ja richtig fies – damals warst du doch noch ein kleiner Junge.

Und dann … das war so witzig! Anna – wobei, die hieß da ja noch Wolfgang – ist einfach hingegangen und hat ihm das Bier direkt ins Gesicht geschüttet!

(Ganz gemein ist so etwas vor anderen, die Anna nur als Anna kennen. Bei denen entsteht im Kopf nämlich die Vorstellung davon, wie Anna wohl „als Wolfgang“ ausgesehen hat – und Anna will das wahrscheinlich nicht.)

Auf keinen Fall allgemeingültig, aber meiner Meinung nach okay:

Der Perspektivwechsel.

Aus Manuelas Sicht bist du ihr Exmann.

Damals wurdest du als harter Kerl wahrgenommen.

Die rechtliche Seite dazu ist interessant: Die Vornamensänderung, die man beim Amtsgericht beantragen kann, gilt rückwirkend. In der Annahme, dass bei der Geburt das Geschlecht irrtümlich falsch eingetragen wurde, wird die Geburtsurkunde geändert. – Das ist nur ein Beispiel, denn die Verwendung des gewählten Vornamens gilt (außer nach Absprache natürlich) auch bei Menschen, deren Vorname nicht auf dem Papier geändert ist.

 

Unten ist wie immer Platz für ähnliche und andere Erfahrungen!

Vergangenheit von Transsexuellen